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10 Dinge, die ich beim Alleine-Reisen gelernt habe

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Passend zur Videowoche über das Thema Reisen auf unserem Youtube-Kanal gibt’s heute einen Blogpost zu einem Thema, zu dem ich ständig Fragen bekomme: alleine verreisen. Aus irgendeinem Grund bekommen wir besonders viele Fragen dazu, wie es ist, als Frau alleine zu reisen und worauf man dabei achten muss. Ich weiß nicht, ob das einfach daran liegt, dass unsere Zuschauer zu neunzig Prozent weiblich sind und/oder ob es für Männer allgemein „normaler“ ist, alleine zu reisen? Jedenfalls finde ich persönlich, dass es absolut keinen Unterschied macht, ob man nun ein Mann oder eine Frau ist: Alleine Reisen hat in jedem Fall seine Vor-, aber auch seine Nachteile.

Kurz vorab: Ich bin zwar ein sehr sozialer Mensch und bevorzuge es so gut wie immer, unter Leuten zu sein. Trotzdem habe ich kein Problem damit, auf mich selbst gestellt zu sein. Ich wohne sehr gerne alleine, ich gehe alleine shoppen, ich gehe auch öfter alleine einen Kaffee trinken. Daher ist es für mich auch kein „großes Ding“, alleine zu reisen oder unterwegs zu sein. Ich bin sogar als Kind schon allein (zu meinen Verwandten oder Freunden) geflogen oder gefahren – vielleicht einer der Gründe dafür, dass es für mich weder besonders merkwürdig, noch schwierig ist, ohne Begleitung im Zug, Flieger oder Hostel zu sitzen. Ich hatte damit nie ein Problem, daher bin ich vermutlich nicht die richtige Ansprechpartnerin für Personen, die sich das absolut nicht vorstellen können, oder sogar Angst davor haben. Ich kann euch nur sagen: alleine zu verreisen war für mich bisher immer eine riesige Bereicherung. Ich habe dadurch mehr gelernt, als ich jemals auf einer „gemeinsamen Reise“ hätte lernen können.

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# EINS: Für sich selbst Verantwortung übernehmen 

Eigentlich ziemlich logisch, aber ein sehr essenzieller Punkt: Wenn man alleine unterwegs ist, muss man sich um alles selbst kümmern. Pünktlich losfahren zum Bahnhof oder Flughafen, alle Tickets bereit haben, nichts vergessen. Das ist am Anfang vielleicht etwas überfordernd, wenn man es vorher gewohnt war, sich die Verantwortung mit Eltern, Geschwistern oder Freunden zu teilen. Wenn man das erste Mal vergessen hat, sich online für seinen Ryanair-Flug einzuchecken und dann am Flughafen 45 Euro nachzahlen muss, ist das schmerzhaft – aber es passiert einem danach nie wieder (glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung). Die Fähigkeit, selbst etwas zu organisieren, wird euch eurer Leben lang nützlich sein.

# ZWEI: (Mit-Sich-)Selbst-Beschäftigung

Wenn man niemanden dabei hat, kann ein 14-Stunden-Flug, eine 6-Stunden-Bahnfahrt oder auch ein Abend im Hostel schon mal ziemlich öde werden. Wenn ihr zu den Menschen gehört, die sich schnell langweiligen, dann packt euch genug Beschäftigung ein, vor allem für die Zeiten, in denen es kein WLAN und keine On-Board-Unterhaltung gibt (mein Kindle ist dafür mein neuer Favorit, den ich nicht mehr missen möchte). Ich persönlich liebe es aber auch, mich in der Zeit einfach mal bewusst „nur mit mir selbst“ zu beschäftigen und nachzudenken, Musik zu hören oder abzuschalten (oder gelegentlich auch um 20 Episoden Sex & The City zu binge-watchen).

# DREI: Nimm’ nur so viel mit, wie du selbst tragen kannst.

Ich neige – wie vermutlich die meisten Menschen – sowieso dazu, viel zu viel mitzunehmen, egal ob ich alleine verreise oder gemeinsam. Zwei Koffer, einen Rucksack, eine Handtasche und eine Kameratasche ganz allein durch die Gegend zu schleppen, ist kompliziert. Aber: es ist auch nicht unmöglich und inzwischen bin ich ziemlicher Profi darin, zwei Koffer mit einer Hand zu schieben und gleichzeitig noch einen Kaffee zu tragen. Und mit diesen komischen Gepäcktrolleys umgehen kann ich inzwischen auch – alles Übungssache. Und wenn man doch überfordert ist: einfach nach Hilfe fragen. Aber dazu mehr im nächsten Punkt.

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# VIER: Einfach fragen, fragen, fragen. 

Nicht nur bei zu schwerem (oder zu viel) Gepäck, sondern generell sollte man sich beim Alleinreisen daran gewöhnen, fremde Leute um Hilfe zu bitten. Natürlich könnt ihr auch probieren, völlig ohne menschlichen Kontakt auszukommen oder immer Google & co. konsultieren, wenn ihr mal nicht weiter wisst. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man meistens die Lösung für ein Problem schneller findet, wenn man einfach jemanden fragt und oft entwickelt sich daraus auch ein freundliches Gespräch.

# FÜNF: Hostels sind großartig.

Es gibt viele Arten, wie man auf Reisen übernachten kann und ich selbst war schon in Hotels, Airbnbs, Hostels und habe einige Bekannte, die mit Couchsurfing sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Mein Favorit sind defintiv Hostels. Ganz besonders, wenn man alleine reist, kann man dort so leicht und schnell so viele Leute kennenlernen. Natürlich gezwungenermaßen die, mit denen man sich ein Zimmer teilt; es gibt aber auch in den meisten Hostels irgendwelche Zusatz-Aktivitäten, bei denen man leicht in Kontakt mit anderen Reisenden kommt. Allein deswegen würde ich Hostels immer empfehlen.

# SECHS: Du wirst Leute kennenlernen, aber vielleicht nicht sofort.

Man lernt auf jeden Fall Menschen kennen, wenn man alleine verreist. Nur passiert das vielleicht nicht sofort ab der ersten Übernachtung und vielleicht auch nicht innerhalb der ersten Woche. Es braucht seine Zeit und es gehört Glück und teilweise Überwindung (siehe nächster Punkt) dazu. Und ja, manchmal entwickeln sich vielleicht auch echte, langanhaltende Freundschaften. Aber oft genug ist es auch einfach nur eine nette, lose Bekanntschaft. Und auch das ist in Ordnung. Man darf nicht zu hohe Erwartungen haben.

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# SIEBEN: Manchmal muss man sich zwingen.

Wie oben schon erwähnt, bin ich zwar ein sozialer Mensch, aber ich bin auch oft sehr zurückhaltend und schüchtern, ganz besonders in den Situationen, wo man es am wenigstens gebrauchen kann. Es kostet mich daher immer wieder Überwindung, völlig fremde Menschen anzusprechen – aber das ist es wert. Am Anfang fühlt man sich vielleicht penetrant oder aufdringlich, aber so geht es fast jedem. Am Ende war ich immer froh drüber. Manchmal hat sich eine Freundschaft oder Bekanntschaft daraus entwickelt, manchmal auch nicht. Aber zumindest hat man es versucht. Das muss man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen und sich manchmal wirklich dazu zwingen, über seinen Schatten zu springen, auch wenn man sich dabei unwohl fühlt.

# ACHT: Alleine Essen gehen ist völlig in Ordnung.

Für viele ist das sicherlich eines der ungewohntesten und „schlimmsten“ Dinge am alleine Reisen: alleine essen (gehen). Auch wenn man Leute kennenlernt, ist man normalerweise dann nicht 24/7 die gesamte Reise mit denen unterwegs und macht alles gemeinsam. Dementsprechend ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ihr mal alleine essen (gehen) werdet. Ich habe damit glücklicherweise kein großes Problem und in den meisten Ländern habe ich die Erfahrung gemacht, dass (anders als man es vielleicht erwartet) auch die Kellner und anderen Restaurant-Gäste damit kein Problem haben. Niemand wird euch komisch angucken und es ist völlig in Ordnung allein an einem Tisch zu sitzen und es (und euer Essen oder Glas Wein) zu genießen. Wenn es für euch trotzdem wirklich unvorstellbar ist, allein in ein Restaurant zu gehen, könnt ihr das natürlich auch einfach vermeiden. Ich hatte/habe auch oft genug Tage, an denen ich schlicht keine Lust habe, einsam am Tisch zu sitzen – dann gibt’s immer noch Take-Away.

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# NEUN: Man wächst an schwierigen Situationen. 

Es wird nicht immer alles funktionieren. Es werden Dinge schief laufen. Und wenn man dann in so einer Situation alleine ist, fühlt man sich total überfordert und hilflos. Aber wenn man zurückblickt, sind genau das die Situationen, in bzw. an denen man am meisten wächst und lernt. Und glaubt mir, es gibt für alles eine Lösung, auch für kaputte Kreditkarten, verlorene Schlüssel, geklaute Reisepässe, blutende Kopfverletzungen und gecancelte Flüge. Wenn also in einem Moment alles kompliziert bis unmöglich erscheint und man absolut nicht weiter weiß: tief durchatmen und sich im Kopf drei mal sagen „Alles wird gut!“. Ein paar Tage, Wochen oder Monate später kann man sich oft kaum noch vorstellen, wieso man damals so überfordert damit war.

# ZEHN: Alleinesein ist manchmal scheiße.

Genauso wie nicht immer alles funktionieren wird, wird man sich nicht immer wohlfühlen. Das geht vielleicht nicht jedem so, aber ich jedenfalls hatte beim Alleine-Reisen oft genug Situationen, in denen ich mir so sehr gewünscht habe, nicht alleine zu sein. In denen ich einsam war und gern jemanden zum Reden, Feiern, Essen, Trinken, oder einfach Anschweigen gehabt hätte. Genauso hat man ja auch oft auf Reisen mit Freunden oder Familie mal so Momente, in denen man lieber alleine wäre. Das heißt aber nicht, dass deswegen die gesamte Reise furchtbar ist. Es ist völlig normal, nicht immer alles die ganze Zeit toll zu finden.

DENN: Alleine Reisen ist trotzdem wunderbar.

Nicht nur, weil du (fast) immer tun kannst, was du willst und dich nach niemanden richten musst und du deswegen auch drei mal am Tag eine Chipotle Chorizo Bowl essen oder viereinhalb Stunden durch den Boots in der Londoner Victoria Station wandern kannst, um jeden vorhandenen Lippenstift zu swatchen (been there, done that). Sondern auch, weil du dich selbst besser kennenlernst, wenn du mit dir allein bist. Und weil es dich auf eine Art und Weise bereichern wird, die schwer in Worte zu fassen ist. Wie schon angedeutet: Wenn ihr glaubt, dass es absolut nichts für euch ist und ihr euch das unter gar keinen Umständen vorstellen könnt, dann lasst es ruhig. Man muss nicht alleine verreisen. Aber wenn euch die Idee vielleicht schon länger reizt, oder ihr unbedingt irgendwo hin wollt und ihr niemanden findet, der mitkommt, dann lasst euch dadurch nicht aufhalten. Bucht einfach euer Ticket und los gehts!

lena

P.S.: Ganz vielen Dank an Sonja für’s Einspringen als Fotografin! Alleine schöne Fotos machen, ist wesentlich schwieriger als verreisen 😉