Lifestyle

Don’t Stop Until You’re Proud
Mein erster Halbmarathon

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Wenn man mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich mal einen Halbmarathon laufen würde, hätte ich laut gelacht und „Nie im Leben“ geantwortet. Wie ihr sicher schon mitbekommen habt, gehöre ich nicht zu den Menschen, die von Natur aus sportlich sind. Und schon gar nicht zu denen, die schon immer gerne laufen. Irgendwann mal in der Lage zu sein, ohne Probleme auch nur zehn, geschweige denn 21 Kilometer am Stück zu joggen, erschien mir immer völlig absurd.

Dementsprechend kann ich immer noch nicht so ganz fassen, dass ich Anfang April tatsächlich einen Halbmarathon gelaufen bin (den Bonner Postmarathon übrigens). Und das auch noch quasi „ganz alleine“ zwischen ein paar Tausend anderen Läufern, weil die Freundin, mit der ich angemeldet war, kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen leider doch wieder abspringen musste.

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Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass sie von Anfang an ausgeschlossen erscheint. 

– Albert Einstein

 

Da stand ich also am Sonntagmorgen um 7.30 Uhr völlig überfordert in der Bonner Innenstadt und war ehrlich gesagt kurz vorm Heulen – nicht, weil ich Angst gehabt hätte vor dem Lauf, sondern einfach, weil ich mich nicht auskannte, mir niemand so recht weitergeholfen hat, alles total chaotisch zuging und ich zwischen den Massen an Menschen weder die Garderobe, noch den richtigen Startpunkt gefunden habe. In solchen hektischen Situationen neige ich manchmal zu grundloser Schüchternheit – und statt mich einfach penetrant durchzufragen, habe ich mich einfach still und verwirrt der Masse angeschlossen und innerlich gehofft, dass alles klappt. Hat es auch, aber ich kann euch rückblickend nur raten: falls irgendwie möglich, geht nicht alleine zu eurem ersten Lauf; und falls doch, dann erkundigt euch vorher und auch währenddessen immer, sobald euch etwas nicht klar ist. Wenn man sich nicht traut, Fragen zu stellen, dann macht das einen am Ende nur noch nervöser.

Irgendwann war ich an irgendeinem Startpunkt angekommen, um mich herum aufgeregte Läufer, die Stimmung war gut, das Wetter perfekt, die Musik wahnsinnig laut. Manche klatschten, manche hüpften, manche tanzten. Ich stand einfach nur da und hab gewartet, dass es los ging. Ich war sehr ruhig – mich macht sowas aber auch eigentlich nie nervös. Ich hatte mich ja zum Spaß angemeldet, und ich hatte die ganze Zeit im Hinterkopf, dass ich jederzeit aufhören kann, wenn ich nicht mehr weiter kann oder will. Trotzdem war ich die gesamte Zeit in einem Tunnel. Um mich herum habe ich so gut wie gar nichts mitbekommen, auch als es dann endlich losging. Die ersten zwei bis drei Kilometer war es immer noch ein wenig chaotisch, weil tausende Läufer zu unterschiedlichen Zeitpunkten starten und natürlich alle in einem unterschiedlichen Tempo laufen, aber danach hat es sich einigermaßen eingependelt. Bis zum zehnten Kilometer fand ich alles sehr locker. Ich habe mich immer für zwei bis drei Kilometer an einer Person orientiert, die ein ähnliches Tempo hatte wie ich, bis ich sie aus den Augen verloren, überholt oder nicht mehr eingeholt habe und das dann immer wiederholt. Das lief (haha) für mich sehr gut. Als ich beim elften Kilometer war, konnte ich kaum glauben, dass schon die Hälfte um war, ebenso bei Kilometer 14, als zwei Drittel geschafft waren.

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Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche und plötzlich schaffst du das Unmögliche.

– Franz Von Assisi 

 

Ich hatte am meisten Angst vor der Strecke zwischen 15 und 18 Kilometern, weil ich vorher nie weiter als 15 Kilometer gelaufen war und sich das für mich immer noch „weit vom Ziel entfernt“ angefühlt hat. Meine Angst war jedoch unbegründet. Mir ging es die ganze Zeit über top, ich hatte kein einziges Mal das Bedürfnis anzuhalten oder Pause zu machen – abgesehen von drei bis vier sehr kurzen „Geh-Pausen“ um Wasser/Cola zu trinken, da ich leider während des Laufens absolut nicht trinken kann (ich hab’s probiert, es endete ungut ;)). Auch bei Kilometer 16 war ich noch fit, auch bei 17, auch bei 18… Körperlich ging es mir die ganze Zeit gut.

Psychisch nicht unbedingt. Leider muss ich sagen, dass mir der Lauf nicht wirklich so viel Spaß gemacht hat wie erwartet. Ich habe damit gerechnet, dass mich die gute Stimmung packt und ich super Laune haben würde – aber eher das Gegenteil war der Fall. Mich haben die vielen Menschen, das Gewusel und die Hektik um mich herum sehr gestresst. Wenn ich alleine oder mit Freundinnen laufe, habe ich dabei richtig Spaß und für mich ist das vor allem irgendwie Zeit zum Entspannen und Durchatmen. Das war beim Halbmarathon nicht so. Ich stand von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags konstant unter Adrenalin – und das hat bei mir irgendwie dazu geführt, dass ich schlechte Laune hatte und die ganze Zeit nur dachte „Hoffentlich ist es bald vorbei.“ Nicht, weil ich körperlich erschöpft war, sondern einfach, weil ich es mental unglaublich anstrengend fand.

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Great things never came from comfort zones. 

Natürlich führt das aber auch gleichzeitig dazu, dass man über sich hinaus wächst – und ich bin absolut sicher, dass ich ohne diese Stimmung und alles drumherum niemals dazu in der Lage gewesen wäre, so weit und (für meine Verhältnisse) so schnell zu laufen. Nach 18 Kilometern wurde mir zum ersten Mal so richtig klar, dass ich es vermutlich wirklich schaffen könnte, und ich hatte augenblicklich Tränen in den Augen. Ohne anzuhalten, ohne eine Pause zu machen, ohne aufzugeben, und auch noch locker unter der Zeit, die ich mir ganz am Anfang meiner Vorbereitung mal als „unrealistische Traumzeit“ gesetzt hatte. Damit hätte ich wirklich niemals gerechnet. Und wenn man realisiert, dass man mehr schafft, als man dachte, ist das ein unbeschreibliches Gefühl.

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Mein Highlight war, Leo und Hannah kurz vor dem Ziel tatsächlich in der Menge zu entdecken, die mich (und natürlich auch alle anderen) angefeuert haben. Das hört sich sehr cheesy an, aber es gibt unglaublich viel Kraft und Motivation und war dementsprechend der schönste Moment des Laufes, mal abgesehen vom letzten Schritt über die Ziellinie.

Für mich persönlich war übrigens der letzte Kilometer der härteste – ich dachte eigentlich, der würde mir leicht fallen. Ich habe aber wohl etwas zu früh angefangen, nochmal richtig „Gas zu geben“ und dachte dann die gesamten letzten 500 Meter vor dem Ende (und auch noch ein paar Minuten danach), dass ich entweder gleich kollabiere oder in die Menge kotze.

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Nach einem halben Liter Wasser, meiner ersten richtigen Medaille und ein paar verschwitzten Umarmungen später ging es mir dann wieder ganz gut und ich war einfach nur noch sehr happy und vor allem endlich entspannt. Ich war ein wenig zittrig, aber ansonsten war ich nicht halb so erschöpft, wie ich erwartet hätte. Und spätestens nachdem ich im sogenannten „Verpflegungsdorf“ mein Körpergewicht in Bananen, belegtem Brot, Marathon-Frikadellen und Cookies gegessen (eher: inhaliert) habe, war ich wieder topfit.

Auch der Muskelkater und die Krämpfe hielten sich bei mir glücklicherweise in Grenzen. Treppen runterlaufen war ein paar Tage noch etwas schmerzhaft, aber alles andere war wirklich in Ordnung.

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If you compete with no-one, no-one can compete with you.

Ich habe mein Tempo übrigens während des Laufs mit meinem Handy getrackt, damit ich mich nicht von den schnellen Läufern mitreißen lasse – sonst hätte ich die 21 Kilometer niemals durchgehalten. Da auch einige nach meiner Zeit gefragt haben: Ich möchte nicht, das sich irgendwer an meiner Zeit orientiert, auch nicht unterbewusst. Jeder sollte seinen eigenen Laufrhythmus und sein eigenes Lauftempo finden. Ich weiß, wie sehr es einen stressen kann, sich ständig mit anderen Läufern zu vergleichen (oder anderen Menschen generell) und dieses Gefühl möchte ich niemandem geben. Vor allem Laufanfängern bzw. „Erst-Halbmarathon-Läufern“ kann ich nur ans Herz legen: Trainiert einfach, ohne euch irgendeine Zielzeit zu setzen – das hat bei mir hervorragend funktioniert und ich war wesentlich besser, als ich erwartet habe!

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Um euch herum werden euch ständig Leute überholen, aber auch ihr werdet immer wieder andere Läufer überholen. Davon darf man sich nicht irritieren lassen. Es ist normal, unter den Wettkampfbedingungen etwas schneller zu laufen als im Training, aber achtet auch drauf, dass ihr es nicht übertreibt. Im Endeffekt spielt die Zeit absolut keine Rolle. Was vor allem beim ersten (Halb-)marathon im Vordergrund stehen sollte, ist das Durchhalten!

Alles in allem kann ich wirklich jedem, den es auch nur ganz entfernt reizt, mal einen Halbmarathon (oder auch einen anderen Lauf) mitzumachen, raten: Meldet euch einfach an. Der Lauf an sich war für mich zwar wirklich weniger „enjoyable“, aber dafür ist das Gefühl danach unvergleichlich und vor allem hatte ich einen Riesenspaß während der Vorbereitung. Die gesamte Zeit über hat es mir extrem gut getan, ein Ziel zu haben, auf das ich hintrainieren kann und ich hatte dadurch nicht nur wesentlich mehr Motivation, sondern auch viel mehr Freude beim Laufen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen habe ich jeden Trainingslauf in sehr positiver Erinnerung. Da sich das einige gewünscht hatten: ein Blogpost über meine Tipps für absolute Laufanfänger wird kommen.

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Und obwohl es so anstrengend war, es sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat und ich währenddessen die ganze Zeit dachte: „Nie wieder“, juckt es mich nun schon wieder in den Fingern (oder eher: den Beinen) und ich überlege ernsthaft, mich zu meinem nächsten Lauf anzumelden… wie Casey Neistat so schön sagt: running is an addiction (if you’re doing it right).

 

Lasst mir gern eure Erfahrungen und eure Fragen in den Kommentaren da!

lena