Lifestyle, Travel

The Fear Of Missing Out
Wenn es anders kommt als geplant

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Ich schreibe diesen Artikel im Bett in unserem Airbnb in Cusco, während mein Freund auf dem Weg zu den Regenbogen Bergen ist, einem Naturspektakel, das eine zwei- bis dreistündige Wanderung bergauf auf über 4200 Metern Höhen beinhaltet. Ich habe so viele Fotos der bunten Berge gesehen und so viele gute Dinge über den Ausflug gehört, dass dieser für mich fast genau so weit oben auf meiner To-Do-Liste für Peru stand, wie den Machu Picchu zu besuchen. Kurz gesagt: ich wollte unbedingt dorthin.

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Wer unsere Weekly Vlogs regelmäßig schaut, erinnert sich vielleicht noch an meine Horror-Wanderung in Brasilien, als ich mit meiner Freundin nachts um zwei los in den brasilianischen Regenwald gezogen bin – im stockfinstern natürlich, ohne ausreichend Wasser, Schlaf, Vorbereitung und mit 1000 Metern Anstieg. Keine gute Idee, denn ich habe die komplette Wanderung gehasst und mir danach geschworen, so etwas so schnell nicht wieder zu machen, sondern eher öfter auf mein Bauchgefühl zu hören und zu Dingen, die ich mir nicht zutraue oder die über meiner sportlichen Leistung liegen, nein zu sagen. Deshalb haben wir beispielsweise keine Wanderung zum Machu Picchu gemacht, sondern den Zug und den Bus dorthin genommen oder zu einer Wanderung in Arequipa, die viele empfohlen haben, die uns aber nicht so zugesagt hat, nein gesagt. So weit so gut. Nur die Regenbogen Berge, die wollte ich unbedingt sehen und das trotz Abfahrt morgens um halb vier und der super anstrengenden Wanderung bis zu 5200 Höhenmetern. Ich wollte das unbedingt machen und schaffen und habe die Tour mit einem guten Gefühl gebucht. Und dann… bin ich (wieder) krank geworden.

6Jetzt sitze ich hier und habe wahnsinnige Angst etwas zu verpassen und das bin ich so überhaupt nicht gewohnt von mir. Ich kann normalerweise in Deutschland super nein zu Dingen sagen, mit gutem Gewissen den Freitagabend auf der Couch verbringen und generell liebe ich es auch, ab und zu mal nichts zutun. Aber nicht auf meiner Reise. Vergeht ein Tag, an dem ich meiner Meinung nach nicht genug gesehen, gemacht, erlebt habe, an dem das Wetter zu schlecht für unsere Pläne war oder wir einfach müde und unmotiviert waren, bekomme ich sofort Angst die Zeit und Chancen auf dieser Reise nicht auszunutzen. Ich hasse dieses Gefühl und es ist ziemlich neu für mich.

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Da es mir in den letzten Wochen schon so oft so ging, hier ein paar Gedankengänge, auf die ich mich dann zu konzentrieren versuche und die mir (bedingt) helfen.

Das Glas ist halb voll, nicht halb leer. 

Ja, ich konnte nicht an der Wanderung teilnehmen, aber dafür habe ich in den letzten Wochen und Monaten mehr von der Welt gesehen als in vielen Jahren zusammen und habe schon so viele Eindrücke und Erfahrungen gesammelt, die mir keiner mehr nehmen kann. Man wird nie alles von der Welt sehen oder alles gleichzeitig und sofort erledigt bekommen, letztendlich bleibt es  immer ein Abwägen von Alternativen und Setzen von Prioritäten. Das lässt sich auf die Reise aber ja auch auch auf das alltägliche Leben übertragen. Letztendlich ist ja nichts gewonnen, wenn man sich permanent auf das konzentriert, was man nicht gemacht oder gesehen hat, stattdessen sollte man viel öfter das visualisieren, was man erlebt oder geschafft hat.

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Vielleicht soll es so sein. 

Das mag vielleicht ein wenig spirituell für den ein oder anderen klingen, aber ich glaube daran, dass alles aus einem bestimmten Grund passiert und einen Sinn hat. Vielleicht hätte ich die Wanderung nicht gemocht, nicht geschafft und es wäre einfach überhaupt nicht mein Ding gewesen. Wer weiß.

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Dein Körper sagt dir, was er braucht. 

Wenn ich krank bin und deshalb Dinge nicht machen kann, bin ich grundsätzlich erstmal genervt und das ist so eine gefährliche Reaktion meiner Meinung nach. Wenn man einfach mal müde oder lustlos ist – oder eben krank-, sind das doch alles Zeichen, einen Gang zurückzuschalten oder eine Pause einzulegen. Unser Körper gibt uns ständig Auskunft darüber, was er gerade braucht und ich finde es sehr wichtig, das zu hören und ernst zu nehmen.

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So viel zur Theorie. In der Praxis bin ich momentan einfach nur enttäuscht, aber das ist wohl wie so vieles ein Lernprozess. Kennt ihr die Angst Dinge zu verpassen oder fühlt euch furchtbar schlecht, wenn ihr den Eindruck habt, nicht alles zu hundert Prozent mitgenommen und erledigt zu haben? Schreibt mir gerne, ich freue mich vor allem momentan, wenn ihr mir erzählt, was euch dann hilft.

leonieklein